Feedback: Methoden & Regeln – so ein Scheiß!

In der Schule, dem Studium oder dem Job lernen wir in speziellen Kursen und Ratgebern, wie wir besser Feedback geben und wir wir es annehmen können müssen. Diese Feedbackkultur empfinde ich per Definition als demütigend und möchte dir in diesem Beitrag deshalb Tipps und Tricks geben, wie du mit diesem Scheiß besser umgehen kannst.

Warum bin ich so sauer auf das Feedback?

Die Feedbackmethoden die herumgeistern, gehören für mich zu den schlimmsten Dingen, die ich mir vorstellen kann. Dabei ist es eigentlich nicht schlimm jemanden zu sagen, was man gut oder nicht gut fand. Das Problem ist, dass Feedback kaputt instrumentalisiert und definiert wurde und die meisten Menschen Feedback geben, als wären sie schlecht programmierte Roboter.

Die ganze Misere fängt damit an, dass es spezielle Trainer, Kurse und Ratgeber darüber gibt, wie man methodisch richtig Feedback gibt und nimmt.

Egal ob in der Schule, der Ausbildung, dem Studium oder dem Job: Ich gehe mal davon aus, dass ein Mensch von Haus aus in der Lage sein sollte sich empathisch zu einer Leistung oder dem Verhalten eines anderen Menschen zu äußern. Und wenn nicht, dann sollte derjenige einfach seine Klappe halten.

Früher sagte der Volksmund: „Wenn du nichts nettes sagen kannst, sag lieber gar nichts.“

Heute zwingen Definitionen und Regeln Menschen, die nichts nettes zu sagen haben, dazu Feedback zu geben.

Und noch schlimmer: Sie zwingen den Feedbacknehmer dazu sich das auch noch mit einem freundlichen Gesichtsausdruck anzuhören und sich zu bedanken. Denn Widerspruch ist verboten.

Die Probleme mit dem Feedback

Jeden dazu zwingen Feedback zu geben – im Sandwich

Es ist also zum Beispiel so, dass jemand eine Präsentation in der Schule hält und sich danach jeder äußern darf was er gut und schlecht fand. Die anderen haben an diesem Tag vielleicht gar keine Leistung erbracht, dürfen sich aber darüber auslassen, was man hätte besser machen können.

Noch schlimmer: Die Sandwichmethode (Gut, schlecht, gut) zwingt sogar dazu negative Punkte zu finden. Aber hey, die Methode lehrt uns ja auch erst etwas positives zu sagen, auf das dann etwas negatives folgen muss, aber wir schließen ja am Ende wieder positiv. Also alles kein Problem?

So ein Scheiß!

Ich habe das in meinem Studium (Kommunikationswissenschaft) schon nie verstanden: Wenn jeder weiß, dass die Sandwich Mehtode angewandt wird, ist das alles dann nicht für die Katz? Ist dann nicht jedem klar, dass derjenige händeringend nach einer letzten positiven Eigenschaft sucht, um seine Kritik irgendwie zu legitimieren?

Ich bin der Meinung: Feedback sollte natürlich Verbesserungsmöglichkeiten zeigen, aber immer aus dem Herzen kommen. Wenn ich null Empathie empfinde, keine oder wenig Meinung habe und nur etwas sage, um irgendein Feedback zu geben ist das grausam.

Denn im schlimmsten Fall nimmt sich der Feedbacknehmer auch nur ein Wort dieses Gelabers zu Herzen.

Menschen laden ihren seelischen Ballast in Feedbacks ab

Ich nehme mich da nicht aus: Die meisten Menschen sind verkorkst.

Wir alle tragen Denk- und Verhaltensmuster in uns, die wir nicht kontrollieren können und in Feedbacks kommen sie raus.

Einige Beispiele dafür, was Feedbacks beeinflussen kann:

  • Jemand ist unzufrieden mit seinem eigenen Leben und hat einen schlechten Tag? Zeit mal richtig schön unsachliches Feedback zu geben!
  • Man ärgert sich, weil man von seinem Chef zu diesem langweiligen Vortrag geschickt wurde und will lieber etwas anderes tun würde
  • Man steht in Konkurrenz und will den anderen schlecht machen
  • In unserer Gesellschaft gibt es 1-3% Psychopathen, wie viele sitzen im Raum und geben dir Feedback?
  • Auf dem Weg zum Vortrag wurde jemandem die Vorfahrt genommen und er ist noch richtig schön sauer (er trägt eine Schleppe)

Dem Feedbacknehmer dazu zwingen alles anzunehmen

Eine der Sachen die mich am meisten ärgern ist, dass jeder das Recht zugesprochen bekommt Feedback zu geben und den Feedbacknehmer gleichzeitig dazu zu zwingen, alles abzunicken.

Brav „Danke für dein Feedback!“ sagen. Nicht diskutieren, das wirkt unprofessionell.

So ein Scheiß!

Eine eigene Leistung zu erbringen ist ein sensibler Moment. Egal ob man einen Vortrag oder eine Präsentation hält oder einen Blog oder einen Aufsatz geschrieben hat: Man hat sich Gedanken gemacht, sich selbst vor anderen exponiert.

Und dann darf sich jemand aus dem Publikum, der nichts getan hat und es vermutlich auch nicht besser kann, äußern und einem sagen was man hätte besser machen können? Was ihm nicht gefallen hat?!

Ich bin ja immer der Meinung: Dann mach es doch erstmal selber besser! Besserwissen ist ja immer einfach.

Die Situation in der Schule oder dem Studium vor 30 anderen Menschen zu stehen und sich reihenweise Feedback abzuholen ist nicht okay. Das kann das Selbstbewusstsein und die Kreativität zerstören.

So funktioniert richtiges Feedback

Richtiges Feedback, von den richtigen Menschen ist eine tolle Sache.

Damit meine ich nicht, dass du nur deine Großeltern um Feedback fragen solltest – die finden sowieso alles super was du machst.

Du solltest Menschen finden, von denen du weißt das sie folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Sie können dir auch Erfolg uneingeschränkt gönnen und sind weder neidisch noch missgünstig dir gegenüber
  • Sie sind Experten oder fachkundig in dem Gebiet, zu dem du Feedback möchtest
  • Vielleicht sind sie aber auch komplett fachfremd und haben deshalb besonders kreative Ideen
  • Toll ist auch, wenn sie etwas besser können als du und du etwas lernen kannst
  • Sie wissen, dass etwas nie perfekt ist
  • Sie Feedbacken nicht dich als Person, sondern das Ergebnis
  • Sie antworten in Relativsätzen und äußern sich mit Bedacht
  • Sie wissen, dass falsches Feedback sehr destruktiv ist und nehmen sich genügend Zeit

Tipps für den Umgang mit Feedbackrunden & Co.

Wir kommen in unserem Leben leider nicht an Feedbackrunden und ungefragtem Feedback vorbei. Aber es gibt einen Weg damit umzugehen: Hör einfach nicht zu, schaffe dir einen mentalen Panzer und mache danach erstmal etwas um den Kopf freizukriegen.

Leider können Kleinigkeiten lange haften bleiben und geistern in unserem Verstand umher. Werde dir bewusst, dass unser Verstand negative Äußerungen um ein vielfaches stärker bewertet, als positives Lob. Übe dich in Akzeptanz und Verständnis (die andere Person konnte nicht anders) und nimm die Aussagen nicht ernst.

Tipp: Drehe den Spieß einfach um!

Aber lasse auch nicht alles über dich ergehen. Ich mache das auch nicht mehr und habe mir eine wirkungsvolle Waffe zugelegt, mit der ich negatives (oder vermeintlich „gut gemeintes“) Feedback schnell den Hahn abdrehe.

Ich drehe den Spieß einfach um und stelle dem Feedbackgeber einfach eine Gegenfrage: „Das klingt sehr interessant, hast du dazu auch schon mal eine Präsentation/ein Projekt gemacht, dass ich mir anschauen kann?“.

Denke daran: Es ist immer leichter zu kritisieren, als es besser zu machen. Und hier enttarnst du schnell fachliches von unsachlichem Feedback.

Feedback? So ein Scheiß!

Dieser Beitrag hilft dir hoffentlich mit einem mentalen Schutzschild in die nächste Feedbackrunde zu gehen und deine Gedanken rein zu halten. Wenn du selbst auch der Meinung bist, dass instrumentalisiertes Feedback ein Scheiß ist, den wir schleunigst abschaffen sollten, freue ich mich.

Lass es uns am besten gemeinsam einfach anders machen. Lass uns empathisches, konstruktives Feedback in vertraulichen Runden geben, dass die Menschen besser, kreativer und freier macht.

Und lass uns diese Botschaft teilen, damit möglichst viele Menschen mitmachen.

Bis zum nächsten mal,
dein MindPunk.de

Foto: Ariana Prestes

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